Weniger Plastik – warum eigentlich?

Ich denke, dass zu diesem Thema noch einige Beiträge in diesem Blog geschrieben werden. Deshalb möchte ich hier mal zusammenfassen, worum es mir eigentlich geht (und worum nicht), warum ich die Vermeidung von Plastik in bestimmten Lebensbereichen sinnvoll finde, und wie ich an die Sache herangehe.

Spätestens seit ich Werner Bootes Film “Plastic Planet” gesehen habe, habe ich begonnen, mir ernsthaft Gedanken über dieses Material zu machen, das aus so vielen Bereichen meines Lebens nicht mehr wegzudenken zu sein scheint. Was ist dran an den beunruhigenden Aussagen zur gesundheitsgefährdenden Wirkung einiger Inhaltsstoffe von Plastik? Wird der ganze Müll in Deutschland nicht eh recycelt, also warum sich darüber den Kopf zerbrechen? Was soll es schon bringen, wenn ich ab jetzt nur noch mit dem Jutebeutel auf den Biomarkt gehe, wo einem im Einkaufszentrum in jedem Laden mindestens eine Platiktüte angedreht wird?

Bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, ich möchte ihn zu was auch immer bekehren: Nö, hier dreht es sich nur um mich (und, weil er das Pech hat mir mir zusammen zu wohnen, auch um Brad hehe). Vielleicht kann ich den Einen oder Anderen dazu anregen, sich seine eigenen Gedanken zu diesem Thema zu machen, das ich für wichtig halte – das überlasse ich aber jedem selbst und kann es niemandem verdenken, wenn er seine Prioritäten woanders setzen will oder setzen muss.

Verschwendung

Plastik wird aus Erdöl hergestellt, und Erdöl ist ein endlicher Rohstoff, der zunehmend knapper wird. Was macht es also für einen Sinn, Plastik für Verpackungen zu verwenden, die nur dafür da sind, eine Ware aus dem Supermarkt nach Hause zu transportieren, wo die Verpackung dann in einen Plastiksack geworfen wird, der nur dazu da ist, Plastikmüll für kurze Zeit aufzubewahren? Ich finde, es gibt wirklich sinnvollere Verwendung für einen so nützlichen und vielseitigen Rohstoff, zum Beispiel in der Medizin.

Gesundheit – meine und die von anderen

In den meisten (oder allen?) Plastikprodukten sind Weichmacher und andere Zusätze enthalten, die ihre Eigenschaften (z.B. Formbarkeit) je nach Bedarf verändern. Manche dieser Weichmacher wirken ähnlich wie Hormone und können Beispielsweise Unfruchtbarkeit bei Männern verursachen. Besonders gefährlich sollen diese hormonähnlich wirkenden Weichmacher für ungeborene Kinder und Säuglinge sein. Es wird vermutet, dass sie Unfruchtbarkeit, Leberschäden oder Verhaltensstörungen auslösen. Daher sind einige Weichmacher in Kinderspielzeug heute verboten, sie werden aber trotzdem noch in vielen Alltagsgegenständen (z.B. auch Bodenbelägen, mit denen Krabbelkinder ja mehr als jeder andere in Berührung kommen, oder in Verpackungen, die ihre Nahrung umhüllen) eingesetzt. Und selbst wenn man jetzt annimmt, dass vielleicht nicht alle dieser Vermutungen stimmen, oder manche Weichmacher gefährlich sind, andere nicht: Möchte ich mich, und in Zukunft auch meine Kinder, auch nur diesem Risiko wirklich aussetzen? Meine Antwort jedenfalls ist ein klares Nein.

Die Gesundheit von den noch andereren…

Vielleicht ist die Sache mit den Weichmachern ja gar nicht so dramatisch, wie man sich vorstellen könnte. Vielleicht ist der Anteil der Stoffe, die über meine Nahrung oder über die Haut in den Körper gelangen, so gering, dass ich frühestens in 60 Jahren was davon merke. Und überhaupt, das Risiko, von einem Auto überfahren zu werden, ist viel höher…
Aber was ist mit den Leuten, die die Plastikprodukte herstellen, die vielleicht gar nicht so gefährlich für mich sind? Irgendwer kommt während des Herstellungsprozesses mit den Weichmachern und sonstigen Zusatzstoffen sehr wahrscheinlich viel direkter in Berührung, als ich es je tue. Die Vorstellung, “dass das heutzutage doch sowieso alles mit Maschinen gemacht wird”, entspricht (glaube ich), viel weniger der Realität, als man es gerne hätte. Wenn ich durch veränderten Konsum dafür sorgen kann, dass ein bisschen weniger Plastik hergestellt werden muss, dann kann das so falsch nicht sein.

Müllvermeidung

 Plastikmüll am Strand, nördliches Norwegen. Foto: Bo Eide http://www.flickr.com/people/snemann2/

Plastikmüll am Strand, nördliches Norwegen. Foto: Bo Eide http://www.flickr.com/people/snemann2/

Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass die berühmten Müllinseln im Pazifik und die Meeresstrände voller angespülter Plastikabfälle, die allmorgendlich für die Touristen gesäubert werden, primär durch deutschen Müll gespeist werden, gehts doch auch irgendwie darum, grundsätzlich was zu ändern und zu zeigen, dass es auch anders geht. Müllverwertung, insbesondere Recycling, sind schon mal ne gute Sache, aber auch nicht unbedingt die Lösung, da Plastik nicht unendlich wieder verwendet werden kann, sondern bei jeder Umarbeitung an Qualität verliert. Auch in Deutschland wird übrigens weniger als die Hälfte des Verpackungsmülls aus Plastik recycelt (Stand 2010). Wenn ich also im Urlaub doch lieber Seesterne statt Plastiktüten am Strand finden will, dann sollte ich vielleicht bei mir selbst anfangen, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Spaß an der Sache

Ich habe gemerkt, dass es ganz erfrischend ist, alte Gewohnheiten zu durchbrechen. Statt also wie immer nach dem billigsten Joghurt im Plastikbecher zu greifen, suche ich bewusst nach Alternativen aus Glas oder Karton (oder im Idealfall ganz ohne Verpackung… wird bei Joghurt aber schwer 😉 ). Ich habe mich noch nie so über Weichkäse gefreut, wie als ich im Supermarkt endlich welchen gefunden habe, der nur in Papier eingepackt war. Ich nehme mir inzwischen die Zeit, mein Obst und Gemüse an dem Stand in der Fußgängerzone mit den netten Verkäufern zu kaufen, an denen ich vorher jahrelang vorbei gelaufen bin. Ich wurde selten so dumm angeschaut, wie als ich bei H&M die gekauften Klamotten in einen Baumwollbeutel statt die angebotene Tüte gestopft habe. Und manche Verkäufer freuen sich sogar, wenn ich eine Verpackung dankend ablehne.
Obwohl ich die Sache eher undogmatisch und Schritt für Schritt angehe, wurde einiges (hauptsächlich der ganz normale Einkauf) ein bisschen komplizierter, ich habe aber auch viele Erfolgserlebnisse gehabt, die mich einfach zufrieden machen.

Plastikfrei ist mein Leben so natürlich beim besten Willen nicht geworden, und das wird es auch in naher Zukunft nicht sein. Auch wenn es Tastaturen aus Holz gibt, muss ich mich leider mit der Standard-Plastik-Variante begnügen, während ich hier tippe. An anderen Stellen sind es die Faulheit oder knappe Finanzen, die mir eine Grenze ziehen. An wieder anderen schlicht der Mangel an Alternativen (schon mal Mozzarella ohne Plastikverpackung gesehen? Dabei würde es doch im Glas genauso gut gehen…).
Aber weiter machen werde ich trotzdem 🙂

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