Milch statt Fleisch?

Die Entscheidung, weniger oder gar kein Fleisch zu essen, wird aus ganz unterschiedlichen Gründen getroffen. Meist stehen ökologische und ethische Beweggründe dahinter, manchmal auch gesundheitliche. Nach einer kurzen Umgewöhnungszeit ist das kein Problem – Butter und Käse aufs Brot statt der Salami, auf den leckeren Joghurt muss man glücklicherweise auch nicht verzichten und statt Spaghetti Bolognese gibts eben Sahnesauce zu den Nudeln. Schmeckt mindestens genauso gut. Aber macht das überhaupt Sinn?

Die klassische Reihenfolge der Weltretter: Omnivore (=Fleisch- bzw. Allesesser) —> Vegetarier (kein Fleisch, aber andere tierische Produkte) —> Veganer (keine tierischen Produkte). So oder so ähnlich liest und hört man es an vielen Stellen, manchmal nur indirekt, aber die Aussage ist trotzdem oft da. Im Laufe einer Vorlesung über Nutztiere in der Uni habe ich mir aber Gedanken gemacht, was an der Milchproduktion eigentlich besser sein soll als an der Fleischerzeugung. Macht es für mich als Allesesser mit Öko-Ambitionen eigentlich Sinn, Fleisch durch Milchprodukte zu ersetzen, wenn ich ein Problem mit Tierleid, Soja-Monokulturen, Pestizideinsatz und übermäßiger Gülledüngung und allen anderen Problemen, die die Tierproduktion mit sich bringen kann, habe? Um mir dazu eine fundiertere Meinung bilden zu können, habe ich mal ein wenig recherchiert.

“Für Milchprodukte werden zumindest keine Tiere getötet.”

Das stimmt leider nur, wenn man es sehr oberflächlich betrachtet. Es landet kein Teil eines toten Tieres auf dem Teller, aber das wars auch schon.

Das Leben einer Milchkuh aus Bio-Haltung nach deutschen oder europäischen Vorgaben sieht ungefähr folgendermaßen aus:
Kurz nach der Geburt, entweder direkt danach oder nach maximal 5 Tagen, wird sie von ihrer Mutter getrennt. Sie wird danach einzeln oder mit etwas Glück in einer Gruppe mit anderen Kälbern zusammen gehalten. Mit etwa 18 Monaten wird sie das erste Mal trächtig und bringt mit 27 Monaten ihr erstes Kalb zur Welt. Von da an gibt sie etwa 7.000l Milch pro Jahr. 6-8 Wochen nach der Geburt ihres Kalbes ist die Milchkuh schon wieder trächtig, gleichzeitig gibt sie große Mengen Milch. Die Kuh nimmt zeitweise weniger Energie auf, als sie für die Ernährung ihres ungeborenen Kalbes und die Produktion von Milch braucht. Diese Doppelbelastung führt häufig zu Krankheiten, die dann auch die Milchleistung schmälern. Vielleicht endet das Leben der Kuh also schon jetzt, weil sie nicht mehr genug Ertrag bringt – andernfalls hat sie noch ungefähr 3 Jahre vor sich, in denen sie pausenlos trächtig ist und/oder Milch gibt und damit ihren Körper völlig auslaugt. 20 Jahre könnten es sein, wenn sie nur die 8l Milch pro Tag produzieren müsste, die ein Kalb ungefähr zum wachsen braucht. Jedes Jahr darf sie zwei Monate auf die Weide, nämlich in der kurzen Zeit, in der sie gerade keine Milch gibt, weil die Geburt des nächsten Kalbes kurz bevorsteht. In manchen Betrieben sieht sie mit etwas Pech niemals das Tageslicht.

Bei der Produktion von Milch gibt es zwangsläufig Kälber, die sehr schnell von der Mutter getrennt und später geschlachtet werden. Zusätzlich sind die Kühe einer Belastung ausgesetzt, die ihre Lebenserwartung drastisch verkürzt und ihnen kaum Lebensqualität bietet.
Es gibt ganz vereinzelt Systeme, die die Tiere mehr schonen: Zum Beispiel die Ammenkuhhaltung, bei der eine Kuh mehrere Kälber aufzieht und so eine Ersatzmutter für sie darstellt. Es gibt auch die Möglichkeit, das Kalb bei der Mutter zu belassen und dann deutlich weniger Milch verkaufen zu können, und auch größere Ruhepausen zwischen den Trächtigkeiten wären theoretisch möglich und sind in einzelnen Betrieben sicherlich auch Praxis: Aber unter absoluter Garantie nicht in denen, deren Milch für 42 oder auch 99 Cent im Supermarkt steht. Selbst wenn sie es wollen, können sich die Betriebe solche enormen Geldeinbußen nicht leisten.

Die Fleischerzeugung läuft dagegen etwas entspannter ab. Wieder das ungefähre Beispiel eines ganz normalen Bio-Betriebes, der die Vorgaben einhält, aber keine überdurchschnittlichen Anstrengungen zum Wohl des Tieres unternimmt.
Auch hier werden die Kälber kurz nach der Geburt (auf Grenzstandorten wie in den Alpen teils auch erst nach 10 Monaten) von der Mutter getrennt und dann mit Milchersatz (+ evtl. leistungssteigernden Zusätzen) aufgezogen. Auch sie haben ein relativ kurzes Leben vor sich: 18 Monate, wenn sie ihr ganzes Leben im Stall verbringen und mit Kraftfutter gefüttert werden, 24 Monate, wenn sie den Sommer über auf der Weide stehen und dort Gras fressen. Etwas länger dauert es sicherlich, wenn sie ganzjährig auf der Weide bleiben und dadurch langsamer wachsen. Insgesamt heißt das: Milchkuh und Fleischrind leben etwa gleich lange, das Schlachtvieh wird aber während dieses kurzen Lebens nicht noch zusätzlich körperlich bis an die äußerste Grenze ausgenutzt.

Auch hier gilt logischerweise: Ohne totes Rind kein Fleisch auf dem Teller. Aber zumindest bei den Tieren aus Weidehaltung war vorher das Leben mit größerer Wahrscheinlichkeit angenehm.

“Milchprodukte sind ökologischer als Fleisch.”

So pauschal kann man auch das leider nicht sagen. Nimmt man den CO2-Ausstoß als Maß für die “Schädlichkeit” in ökologischem Sinne, dann nennt Pendos CO2-Zähler folgende Daten (CO2 in kg pro kg des Lebensmittels für Herstellung, ggf. Düngung, Transport, Weiterverarbeitung, Verpackung etc.):

  • 1kg Butter: 23.800
  • 1kg Rindfleisch: 13.300
  • 1kg Käse: 8.500
  • 1kg Sahne: 7.600
  • 1kg Geflügel: 3.500
  • 1kg Schweinefleisch: 3.250
  • 1kg Eier, Quark und Frischkäse: 1.950
  • 1kg Joghurt: 1.250
  • 1kg Milch: 950
  • 1kg Äpfel: 550
  • 1kg Gemüse (frisch): 150

… es kommt also ganz darauf an, was man isst – und wie viel davon. Butter verspeist man ja selten in 250g-Stücken, Rindfleisch schon eher. Umso mehr Fett, desto höher der CO2-Verbrauch. Nicht zu unterschätzen ist bei Milchprodukten und Rindfleisch auch der Ausstoß von Methan. 1kg davon trägt 21x mehr zum Klimawandel bei als CO2. Ein Hausrind stößt pro Tag etwa 150-250l Methan aus. Das ist in der Bilanz oben schon einberechnet. Ein Unterschied nach der Herkunft und Haltung der Produkte bzw. Tiere wird in der Quelle allerdings nicht gemacht.

Der Wasserverbrauch ist das zweite naheliegende Maß für den ökologischen Fußabdruck eines Produktes. Die Seite Virtuelles Wasser hat dazu ein paar Daten zu bieten, die sich (soweit ich das herauslesen konnte) allerdings nur auf industrielle Landwirtschaft bezieht:

  • 1kg Rindfleisch: 15455l
  • 1kg Schweinefleisch: 4800l
  • 1kg Hühnerfleisch: 3900l
  • 1kg Käse: 5000l
  • 1l Milch: 1000l
  • 1kg Bananen: 859l
  • 1kg Kartoffeln: 255l
  • 1kg Tomaten: 184l
  • 1kg Möhren: 131l

In der ökologischen Landwirtschaft soll der Wasserverbrauch laut der Quelle bei einigen dieser Produkte deutlich geringer sein.

Auch hier ist es also wieder die Frage, was man isst. Käse statt Rindersalami auf die Stulle macht, sowohl was den Wasserverbrauch als auch den CO2-Ausstoß angeht, durchaus Sinn. Wer eher Schweine- und Geflügelfleisch in Maßen kauft, hat am Ende vielleicht eine bessere Bilanz als jemand, der die Butter zentimeterdick aufs Brot streicht. Das kommt aber sehr darauf an, woher Butter oder Fleisch stammen: Aus konventioneller Massenhaltung, mit Soja aus Brasilien gemästet? Oder aus ganzjähriger Weidehaltung in der Nähe?

Also: Milchprodukte, besonders die mit hohem Fettgehalt, sind nicht per se ökologischer als Fleisch.

“Vegetarische Ernährung ist gesünder als eine Ernährung mit Fleisch.”

Die Studien, die Fleisch als “ungesund” deklarieren, sind in meinen Augen relativ vage. Ergebnisse, die auf gesundheitliche Risiken (vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Darmkrebs) aufgrund von Fleischkonsum hindeuten, nennen den Konsum von stark verarbeiteten Fleischprodukten wie Wurstwaren oder Schinken als dafür verantwortlich. Rotes Fleisch soll ungesünder sein als weißes, es gibt aber auch Studien die keinen Zusammenhang zwischen Gesundheitsrisiko und Fleischart finden konnten.

Wer Fleisch in Maßen, wenig rotes Fleisch (Rind und Schwein) und noch weniger Wurst isst, sollte auf der sicheren Seite sein. Ein vollständiger Verzicht auf Fleisch bringt nicht zwingend einen Vorteil für die Gesundheit (allerdings auch keinen Nachteil).

Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast. Normalerweise wird das Medikament so schnell wieder abgebaut, dass der Verbraucher davon nichts mehr mitisst. Problematisch daran ist aber, dass Antibiotika in der konventionellen Tierhaltung prophylaktisch und (verbotenerweise) zur Leistungssteigerung verabreicht werden. Das steigert das Risiko der Bildung von Antibiotika-resistenten Keimen. Haben wir nun das Pech, über ‘kontaminiertes’ Fleisch mit diesen Keimen in Berührung zu kommen und an ihnen zu erkranken, ist keine Antibiotika-Therapie mehr möglich – die Keime sind ja resistent. Keime gibt es auch auf Bio-Fleisch, aber die sind dann nicht gegen Antibiotika resistent.

Ausführlicher könnt ihr das hier nachlesen:
test.de – Antibiotika-resistente Keime im Fleisch
berlin.de – Antibiotika im Hühnerfleisch: Ist Biofleisch besser?

Aber sind Milchprodukte nun gesünder? Einerseits bestätigen viele Studien den Zusammenhang zwischen Milchkonsum und einem geringeren Risiko von Knochenbrüchen, andererseits wird das Lebensmittel mit einem erhöhten Risiko für Parkinson, Krebs und Diabetes assoziiert. In dieser Hinsicht scheint aber nichts eindeutig nachgewiesen zu sein. Auf jeden Fall ist es aber so, dass eine ausreichende Menge an Calcium (stärkt die Knochen und schützt damit vor Brüchen), und allen anderen in der Milch enthaltenen Stoffen, auch über andere Lebensmittel in einer abwechslungsreichen Ernährung aufgenommen werden kann. Das durch Sonneneinstrahlung generierte Vitamin D scheint viel wichtiger als Schutz vor Knochenbrüchen zu sein, da es die Aufnahme des Calciums im Darm erst möglich macht.

Relevant sind für manche Personen Unverträglichkeiten wie die Laktose-Intoleranz, außerdem benennt das Bundesinstitut für Risikobewertung Milch als eines der wichtigsten allergieauslösenden Lebensmittel. Weniger schön sind auch Arzneimittelrückstände (Antibiotika, Pilzmittel, Desinfektionsmittel…) und Wachstumshormone, die in Milch zu finden sein können. Wo die Kühe die weiter oben beschriebenen Höchstleistungen pausenlos erbringen müssen, geht es kaum ohne – es gibt zwar gesetzlich festgelegte Rückstands-Höchstmengen, aber was hat sowas überhaupt in einem Lebensmittel zu suchen?

Fazit

Wie so oft kann man auch zu diesem Thema wohl kein Kochrezept liefern. Jeder muss den Weg finden, mit dem er selbst am besten leben kann. Mein persönliches Fazit lautet:

  • In ethischer Hinsicht finde ich Fleisch ein kleines bisschen besser als Milchprodukte; besonders dann, wenn die Tiere nicht ganzjährig im Stall gehalten wurden.
  • Betrachtet man den ökologischen Fußabdruck, sind Geflügel- und Schweinefleisch aus konventioneller Produktion etwa auf der gleichen Stufe wie Milchprodukte, aber trotzdem noch weitaus schädlicher als Gemüse und Obst (selbst solches aus weit entfernten Produktionsländern). Rindfleisch aus konventioneller Produktion steht mit Abstand am schlechtesten da. Fleisch und Milch aus Weidehaltung sind deutlich besser als die Produkte aus Massentierhaltung (nicht überraschend)
  • Für die Gesundheit ist ein mäßiger Fleischverzehr, bevorzugt aus biologischer Produktion, nicht schädlich. Verarbeitete Fleischprodukte sind aber eher zu meiden (Mist!). Milch kann sowohl negative als auch positive Wirkungen auf die Gesundheit haben.

Zusammenfassend also: Im Vergleich Fleisch gegen Milch ein Punkt für Fleisch und zweimal unentschieden. Ob Nudeln in Sahnesauce oder Spaghetti Bolognese ist also in keiner Hinsicht signifikant besser oder schlechter, viel wichtiger ist die Herkunft des tierischen Produktes. Vegetarische Ernährung, die Fleisch komplett durch Milchprodukte ersetzt, macht also nach dieser Argumentation in meinen Augen nur sehr begrenzt Sinn. Der Weg, sich vegetarisch zu ernähren, und dabei Wurst und Fleisch nur zum Teil durch Milchprodukte zu ersetzen – zusätzlich zu pflanzlichen Alternativen – geht aber schon eher in die richtige Richtung.

Den Verbrauch von Milchprodukten möchte daher ich in Zukunft ebenso einschränken wie den von Fleisch, ohne dabei auf stark verarbeitete vegane Ersatzprodukte wie Sojamilch zurück greifen zu müssen. Ein Zwischenschritt wird es für mich sein, Milchprodukte ab jetzt ausschließlich bei meinem Fleischer (da gibts Butter und Käse) und aus anderen Bio- oder Neuland-Quellen zu beziehen. Der angemessen hohe Preis ist ein hilfreicher Grund, diese Lebensmittel in Zukunft etwas mehr zu schätzen und in geringerer Menge zu verbrauchen. Komplett vegan werde ich mich nicht ernähren, möchte aber einen Großteil meiner Ernährung auf lange Sicht auf Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs aufbauen.

Weiterlesen?

Hier einige meiner Quellen, außerdem Videos und Seiten mit weiterführenden Informationen rund um das Thema:

Fleisch aus einer tiergerechten Produktion (ich habs mir selbst vor Ort angeschaut und war begeistert) gibt es für Berliner und Brandenburger z.B. von hier: Sonja Moor Landbau, Hirschfelde

Für Hintergrundinformationen zum Thema Vegetarier vs. Veganer vs. Fleischesser möchte ich jedem, der keine dogmatische vorgefasste Meinung hat, der ernsthaft bereit ist sich mit dem Thema zu beschäftigen und nicht nur nach einer Bestätigung der eigenen Meinung sucht, folgenen Artikel von Urgeschmack.de empfehlen: Verursachen Vegetarier mehr Blutvergießen als Fleischesser?

Nicht irritieren lassen von dem reißerisch wirkenden Titel und den vielleicht ungewohnten Sichtweisen, die darin vertreten werden. Nicht so gut finde ich, dass die Standard-Situation in der Pflanzenproduktion (konventioneller Anbau) mit einer Ideal-Situation in der Tierhaltung verglichen wird – wie der Autor selbst schreibt, nicht unbedingt ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, aber einer “zwischen gezielt ausgesuchten, einwandfreien Äpfeln und verschimmelten, wurmstichigen Äpfeln” – ohne dabei auch mögliche Alternativen im Pflanzenanbau mit zu betrachten. Diese Tatsache lässt den Artikel auf mich manchmal etwas vereinfacht und plakativ wirken, ist andererseits aber auch nicht unsinnig, denn diese möglichen Alternativen im Pflanzenanbau, die ohne Monokulturen und mit geringem Schaden an Ökosystem auskommen, stehen einem Großteil der Bevölkerung nicht offen.
Der Grundgedanke des Artikels ist aber auf jeden Fall sehr bedenkenswert.

Die Kernaussage für alle, die ihn nicht komplett lesen wollen: Regionale Ernährung mit Lebensmitteln aus ökologischer Produktion und einem gewissen Anteil an Tierprodukten kann in ethischer, ökologischer und gesundheitlicher Hinsicht vorteilhafter sein als rein vegane Ernährung mit stark verarbeiteten Produkten aus allen Teilen der Welt und teils industrieller Landwirtschaft.

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8 Responses

  1. Stefan sagt:

    Sehr guter Artikel und sehr ausgewogen analysiert!
    Mein Fazit ist, dass ich den Verbrauch von Fleisch- und Milchprodukten deutlich reduzieren, aber nicht komplett einstellen will. Bei Fleisch fällt mir das recht leicht, bei Milchprodukten leider nicht…

    • Möhrchen sagt:

      Vielen Dank für das Lob!
      Genauso wichtig wie die Reduktion tierischer Produkte finde ich, genauer darauf zu achten, woher sie kommen, anstatt sich blind auf Bio-Siegel zu verlassen. Schade, dass es nicht so einfach ist, regionale Betriebe zu finden, die man sich persönlich anschauen kann, und die dann die tiergerechte Haltung und schonende Schlachtung der Tiere so wichtig nehmen wie Sonja Moor in Hirschfelde. In dieser Hinsicht muss ich noch mehr Zeit investieren. Aber es lohnt sich manchmal auch geschmacklich, z.B. bei der Butter von Neuland. Auf die und andere Milchprodukte wenigstens teilweise zu verzichten, fällt mir auch wirklich schwer :/

  2. Bernsteinhexe sagt:

    Der Autor von Urgeschmack argumentiert ernsthaft, dass nicht gewiss ist, ob Milchsäurebakterien Gefühle haben? Vielleicht sollten wir von kosmischer Nahrung leben, dann ist die Sache erledigt ^^
    Um zum Kern der Sache zu kommen: Ich beschäftige mich auch viel mit Veganismus und dem theoretischen Verzicht von Fleisch und tierischen Produkten. Das ist leider nicht so leicht. Tierische Produkte gehören für mich einfach dazu und auf Soja oder anderes auszuweichen ist für mich keine Lösung. Ich glaube, immer da wo man z.B. Ersatz für ein problematisches Lebensmittel sucht, schafft man auf lange Sicht gesehen, ein neues. Siehe Fleischersatz Soja. :/ Richtig wäre glaube ich, der bewusste Umgang, einmal pro Woche Fleisch, wie meine Oma das noch gelebt hat, wäre Nachhaltig und wir würden auch nicht schlechter leben. Und wenn dieses Fleisch dann dadurch, dass es seltener konsumiert wird, besser produziert wurde (Weiderind, Freilandhühner, artgerechtes Futter, Lebensbedingung und Schlachtung), zusammen mit einer guten, biologischen Agrarwirtschaft, und dem Bewusstsein, dass eben nicht immer alles verfügbar sein kann, also saisonal, das würde sicher zu einer besseren Umwelt und Leben beitragen. Aber was red ich, ich kenn mich ja nicht aus ^^

    • Möhrchen sagt:

      Ich muss gestehen, dass ich nicht bei jedem Detail der Argumentation vom Urgeschmack-Autor mitgehen kann 😀 Aber den Kern der Sache hat er schon getroffen, finde ich. Vom Grundgedanken her sieht er die Sache wohl ähnlich wie du (und ich auch). Ich werde mich wohl nie völlig vegan ernähren, aber zwei, drei mehr oder weniger unabsichtlich vegane Gerichte in der Woche finde ich für mich nicht verkehrt und auch in keiner Weise eine Einschränkung. Allerdings haben meine oben dargelegten Überlegungen doch ein wenig die Freude an vegetarischen Gerichten getrübt 😀 Dann kann ich auch gleich ne Boulette essen.
      Auch vegan ist nicht zwangsläufig toll und richtig. Dazu gab es auch bei Urgeschmack gerade wieder einen Artikel. Ersatzprodukte finde ich auch nur in Grenzen sinnvoll, aber sie können eine Bereicherung des Speiseplans sein (mjam, mein veganes Zwiebelschmelz möchte ich nicht mehr missen). Wobei das Problem mit dem Soja-Anbau ja nicht daher kommt, dass es für den Verzehr als Fleischersatz angebaut wird, sondern weil die großen Mengen für die Fütterung von Nutztieren gebraucht werden. Das Problem ist eben, dass die Produktion tierischer Produkte viel ineffizienter ist, als die Pflanze, statt sie zu verfüttern, gleich zu essen. Dieses Argument greift aber bei Weidehaltung überhaupt nicht, Gras können wir halt nicht verdauen 😀 Deshalbpocht Urgeschmack ja auch immer so sehr auf die Weidehaltung (statt sich z.B. auf “Bio” zu fokussieren).

      Ja, “bewusster Umgang” ist das Schlagwort, und dazu gehört auch für mich, hin und wieder bewusst ein Stück Fleisch zu genießen (und vorher darüber nachgedacht zu haben, aus welcher Quelle es kommt). Genau die gleichen Gedanken sollte man sich, finde ich, aber auch über Milchprodukte machen, anstatt den üblichen Gedankengang, dass die ja „nicht ganz so schlimm sind“, beizubehalten.

      • Bernsteinhexe sagt:

        Wir kaufen Fleisch eigentlich nur aus guter Haltung. Zu Martini essen wir gerne mal eine Gans, hier kaufen wir eine Weidegans, da kostet das Kilo bei unserem Fleischer 13,90, was solls, sie hatte ein gutes Leben, und wir essen sowas eh nur einmal im Jahr… und, keine Ahnung, was eine arme TK-Ungarische Mastgans kostet, 3 Euro das Kilo? Traurig finde ich, dass man bei bewusster Ernährung (und es sei es nur frisches Obst und Gemüse, und das in Massen…) ordentlich tief in die Tasche greifen muss. Wir haben das Glück, dass mein Mann gut verdient, da kann ich dann auch leichter meine Qualitäts-Prioritäten setzen. Aber auch ich hab gepasst, als ich versucht habe, nur mehr im Bioladen zu kaufen. Wir könnten es uns wahrscheinlich leisten, aber ich will nicht. Ich setze Prioritäten, bei Öl, Fett und Fleisch kaufe ich gerne mal Bio oder Fairtrade oder regional, und beim Rest versuche ich viel regional zu kaufen. Ich akzeptiere aber, trotz dem Bewusstsein dass ich als Konsument sehr wohl etwas ändern könnte, dass die Masse niemals das Bewusstsein haben wird, nachhaltig und regional zu denken, sondern leider eine “Geiz ist Geil Mentalität” hat. Darum kaufe ich trotzdem auch Exoten, da aber Bio und Fairtrade. ich versuche, Nestle zu boykottieren, wo ich nur kann, und ich kaufe auch sehr gerne Second Hand Kleidung. Wir haben hier super Flohmärkte wo man genial und billig shoppen kann, da profitier ich vom Überfluss der anderen und kaufe sehr viel neuwertige aber gebrauchte Kleidung (grad für die Kinder) und man sieht echt nicht, dass die Kinder in 75% gebrauchten Sachen herumlaufen. Grad jetzt haben wir die Phase wo ständig bei den Hosen die Knie durchgescheuert sind. Da ich aus Prinzip nicht bei KIK und Co einkaufen gehe, seh ich nicht ein, dass ich ne Hose für 25 Euro kaufe, und nach dreimal anziehen kann ich sie wegschmeissen, abschneiden, oder versuchen zu flicken (dafür hab ich echt keine Zeit) Darum, bei einer 2€ Jeans vom Flohmarkt, die auch vom H&M ist, ist es mir wurscht, im allerbesten Fall zerschneide ich sie und mach Jeanspatchworkdecken oder ne Tasche, ne Shopper oder so 😀 Ich hab eine Bekannte, die läuft los und kauft für ihre Tochter einfach mal so bei H&M um 400€ Kleidung für eine Saison, das kann ich überhaupt nicht verstehen. 😀 aber die ist so ete petete, wenn die das wüsste dass ich am Flohmarkt kauf, würd sie wohl die Nase rümpfen 😀 (Traurig, eigentlich) Naja, das sind halt meine Dinge, wo ich versuche, die Welt ein bisschen besser zu machen Zeichen zu setzen, oder mir selbst oder aber auch den Kindern Bewusstsein einzuimpfen. Amen. XD

        • Möhrchen sagt:

          Eine Änderung solcher grundlegender Zustände kann halt nicht nur auf den Konsumenten abgeschoben werden. Da müssten Politiker sich mehr für eine Änderung einsetzen. Aber solange Massentierhaltung weiter so hoch subventioniert wird, kann ich es gut verstehen, dass immer wieder zum billigen Fleisch aus dem Supermarkt gegriffen wird. Anstatt die Wahl zwischen guten Bio-Produkten und schlechten “normalen” Produkten zu haben, sollte das gesamte Niveau angehoben werden. Nachhaltige und die Umwelt schonende Produktion sollte der Standard sein… und da ist, wie gesagt, viel mehr die Politik als der Käufer gefordert.
          Der Kauf von konventionellen Produkten aus der Region geht ein wenig in die Richtung, denke ich. Gerade Direktvermarkter sind ja, vermute ich, tendenziell eher Idealisten, denen etwas an ihrem Boden, an treuen Käufern und auch am Umweltschutz liegt, ohne dass sie dafür ein Siegel bräuchten.
          … ich glaube, ich geh morgen mal auf den Markt 😉

          Ich denke, so oder so, egal wie viel man als Konsument (ob nun von Kleidung oder Nahrungsmitteln) bewirken kann – einen Versuch ist es allemal wert 🙂

        • Bernsteinhexe sagt:

          Okay. Oft hat man ja also Ottonormalmensch/-konsument solche Infos nicht. Ich geb zu, ich lese nicht regelmäßig Politik-Blätter oder so, das ich weiß, wie genau das mit den diversen Subventionierungen ist, was alles gefördert wird, und dass dann gewisse Dinge genau aus diesen Gründen sind, wie sie sind. Leider bestimmen ja immer die Großen. Ich kann es einfach nicht verstehen, warum Geld und Macht wichtiger ist. Das find ich witzig, das würde sicher überall funktionieren, wenn im Sinne des allgemeinen Wohls gehandelt würde: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Mehr-Punk-weniger-Hoelle-/story/25977893

        • Möhrchen sagt:

          Ich kenn mich damit auch nicht wirklich gut aus, hab nur hier und da mal was gelesen. Mir ist nur irgendwann mal klar geworden, dass Konsumenten, Politik und Produzenten/Konzerne alle ihren Teil zu einer besseren Welt beitragen müssen. Eine Gruppe alleine kann nicht so viel bewirken.

          Solche Aktionen wie aus dem Artikel können natürlich auch richtig schief gehen, aber an dem Beispiel sieht man, dass es nicht unbedingt so sein muss 🙂 Man muss nur schauen, dass man nicht einfach nur irgendwen außerhalb der üblichen Parteien wählt (dann wählt man mit etwas Pech so tolle Leute wie die AfD), sondern auch genau dahinter schauen, was so eine neue, dynamische Gruppierung bewirken kann und will. Bei den Piraten mit all ihren schönen Zielen hats in Deutschland ja auch nicht geklappt… sicherlich ist sowas in einem kleinen Land wie Island viel einfacher 🙂

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