Pfälzer Wald 2013

Ende August 2013 ging es wieder los für eine kleine Wandertour, diesmal innerhalb Deutschlands, und zwar in den Pfälzer Wald. Eine Woche Trekking zusammen mit Brads Cousin und seiner Freundin durch Wälder, Weingebiete und Burgen.

Der Pfälzer Wald liegt im Südwesten Deutschlands nahe der französischen Grenze und gilt als das größte zusammenhängende Waldgebiet von ganz Deutschland. Zwar wird der Pfälzer Wald natürlich auch forstwirtschaftlich genutzt, doch wird er mittlerweile auch als Naturpark und Biosphärenreservat anerkannt und bietet seit 2009 speziell für Trekker angelegte 10 Zeltplätze. Die Plätze verfügen über jeweils sechs Stellplätze für Zelte, eine Feuerstelle und ein einfaches Plumpsklo. Allerdings müssen die Stellplätze pro Nacht reserviert werden, die Kosten dafür belaufen sich aber gerade einmal auf 10,- € pro Nacht pro Zelt. Eine geringe Gebühr die man allein schon für die gut gepflegte Toilette gerne bezahlt.

Weitere Informationen: http://www.trekking-pfalz.de/

Wir waren diesmal zu viert unterwegs und haben noch Brads Cousin und seine Freundin mitgenommen. Angereist sind wir wieder sehr bequem mit der Bahn und im Gegensatz zum Jahr davor, als wir in Schweden unterwegs waren, hat sich auch an unserer Ausrüstung etwas getan. Nachdem wir in Schweden sehr unter dem Gewicht unserer Rucksäcke gelitten haben, haben wir dieses Mal penibel auf jedes Gramm geachtet, das wir mitnehmen mussten.

Ausrüstung

Brad trug dieses Mal bei 93 kg Eigengewicht „nur“ noch einen 21 kg Rucksack (inklusive 1l Wasser). Das sind 13kg (!) weniger als 2012 in Schweden (100kg Eigengewicht und 27kg Rucksack).
Bei Möhrchen gab es kaum Unterschiede. Rucksack und sie selbst wogen etwas weniger als zu Beginn der Schwedentour.

Besonders Brad hat den Unterschied im Gewicht stark gemerkt und hatte dieses Mal auch keinerlei Knieprobleme. Möhrchen hatte aber andere (weichere und niedrigere) Schuhe an, was am Ende dank völlig untrainierter Fuß- und Knöchelmuskulatur zu Gelenkschmerzen im Knöchel geführt hat. Stiefel mit relativ hohem Schaft (häufig Jagdstiefel, z.B. Härkila MountainTrek 8”, Chiruca Hiker) kann sie für untrainierte Trekker auf jeden Fall empfehlen!

Ein großer Unterschied zu Schweden war, dass in der Pfalz nicht alle paar Meter ein Fluss mit trinkbarem Wasser überquert wurde, sodass hier mehr Wasser getragen werden musste. Zwar gibt es auf den Karten diverse ausgezeichnete Trinkstellen, die wir jedoch nicht immer vorfanden, oder die einfach nicht benutzbar waren. So gab ein Brunnen gar kein Wasser, ein anderer mit stehendem Wasser war völlig verschmutzt. Es musste also jeder 1-2l Trinkwasser für den Tag mit sich tragen.

Ausrüstung für eine Woche Wald

Ausrüstung für eine Woche Wald

An neuer Ausrüstung kam nur weniges, aber dafür sehr sinnvolles hinzu:
Wir haben drei neue, leichte Edelstahl-Trinkflaschen, dazu auch ein Set leichtes Besteck (Löffel, Gabel, etc.) von Globetrotter. Eine neue Kamera, die etwas bessere Bilder schießen kann, und Brad hat seine neue G1000 Hose (Barents Pro von Fjällraven) in diesem Urlaub eingeweiht. Seine Baumwoll-Kleidung wurde außerdem durch zwei Merino-Shirts (langärmelig und kurzärmelig) und einen Fleece-Pullover ersetzt, was einerseits deutlich besser gerochen hat 😉 und andererseits Gewicht gespart hat.
Andere Dinge blieben einfach ganz zu Hause.

Unsere zwei Wandergenossen hatten teilweise noch nicht ganz so spezialisierte Ausrüstung, dafür waren sie gut trainiert, hoch motiviert und hatten zwei Kleinigkeiten mit, die wir selbst in diesem Urlaub zu schätzen gelernt haben: Erstens ein aufhängbarer Wasserbeutel für 4l. Ein super Teil, leer sehr leicht und klein zusammen zu knautschen. Voll kann er aufgehängt und wie ein Wasserhahn oder als Duschersatz benutzt werden.
Außerdem eine stinknormale sehr lange Plastikleine, die wir meist als Wäscheleine benutzt haben. Simple Idee, aber wir werden uns auch so ein Teil zulegen. Ein Seil sollte immer dabei sein 😉

 

Tag 1: vom Bahnhof Bad Bergzabern zu Trekkingplatz 1 „Ruine Guttenberg“

8,7km (+2 zum Wasserholen) und 620 Höhenmeter (485 hoch und 135 runter)
Mit guter Laune ging es zu viert am Bahnhof los. Es dauerte ein Stündchen, bis wir aus der Stadt raus und im Wald waren. Tatsächlich war dieser Tag streckenmäßig auch der kürzeste, sodass wir relativ schnell am Trekkingplatz ankamen. Der Platz an sich war sehr schön auf einer Bergkuppe gelegen. Das Problem war nur, dass es hier kein Wasser gab und auch eine der ausgewiesenen Trinkstellen nicht benutzbar war, weil völlig verdreckt. So mussten wir dann noch einmal vom Zeltplatz aus los um Wasser zu holen. Das waren tatsächlich noch einmal ganze 2 km und dazu 150m nach unten und wieder hoch! Das war müde und durstig nicht so lustig, hat uns aber gelehrt immer dafür zu sorgen, genug Wasser dabei zu haben und auch unsere Wege möglichst direkt an Wasserstellen vorbei zuführen.
Auch musste man um zu diesem ersten Zeltplatz zu gelangen durch hüft- bis schulterhohen Farn laufen, der uns allen eine Menge Zecken eingebracht hat. Da wir uns im Süden Deutschlands befanden haben wir uns sowieso jeden Abend gegenseitig nach Zecken abgesucht, aber dieser erste Tag war der Schlimmste. Während Brad nur eine einzige auf sich sitzen hatte (Danke G1000!), krabbelten auf Möhrchen ganze sieben Tierchen herum! Das war auch der Rekord für die gesamte Woche. Glücklicherweise ist Möhrchen diejenige, die berufsbedingt gegen alles geimpft ist, angenehm war es trotzdem nicht. Zu allem Überfluss fing es abends auch noch an zu regnen, sodass jeder Versuch ein Feuer anzumachen kläglich scheiterte und jedes Pärchen im Zelt gegessen hat und die Stimmung auch etwas gedrückt war.

 

Tag 2: Von Platz 1 zu Trekkingplatz 2 „Lindelbrunn“

14km und rund 900 Höhenmeter
Morgens ging es mit mieser (weil nass) Stimmung los. Im Nieselregen nass die Sachen einpacken, nass die Schuhe, nass die Rucksäcke, nass alles nass! ABER wir konnten endlich mal unsere coolen Regenponchos ausprobieren!

Eine Empfehlung für die Regenponchos (Wäfo Monsun) können wir aussprechen. Normalerweise kosten sie um die 60€, es gibt aber auch hin und wieder Angebote für deutlich weniger. Sie sind klein zusammenpackbar, sehr leicht, wirken dadurch allerdings auch etwas fragil. Kaputt gegangen ist trotzdem nichts, und sie haben ihren Zweck erfüllt – sowohl Möhrchen als auch Brad wurden trotz Einheitsgröße nicht nass. Durch Knöpfe an der Seite kann man die Ponchos nach Wunsch verkürzen oder an der Seite schließen, so dass nur noch Löcher für die Arme bleiben. Drunter bleibt es luftig, in Regenhose und -jacke hätte man sicher schnell geschwitzt. Als Ergänzung bieten sich wasserfeste Beinlinge oder Gamaschen an. Man kann die Ponchos übrigens auch als Tarp oder Regenplane verwenden 😉

Hier merkt man dann auch den großen Vorteil, nicht nur zu zweit unterwegs zu sein. Man motiviert sich gegenseitig in der Gruppe viel stärker, wenn es mal nicht so schön läuft. Wären wir nur zu zweit gewesen, hätten wir hier vielleicht am 2. oder 3. Tag aufgegeben.
Der große Unterschied zum Wandern in Schweden: Man läuft die ganze Zeit im Wald. Während man in Schweden immer sehr weit schauen konnte und oft den ganzen Tag ferne Gletscher betrachten konnte, gab es hier in erster Linie Holz (Möhrchen fand, es war sehr schöner Buchenmischwald) zu sehen. Allerdings kam man ab und zu an Aussichtspunkten vorbei, die einem dann einen wahnsinnig tollen Blick über den gesamten Wald boten (wenn man denn gerade etwas weiter oben war). Das Wandern an sich haben wir aber als anstrengender empfunden. Auch weil es ständig hoch und runter ging. Möhrchen hat meistens das Schlusslicht gebildet, auch weil sie immer wieder tolle Blumen oder Frösche fotografiert hat 🙂
Abends wieder die nassen Zelte aufbauen. Trocken geworden war nichts, es hat durchgängig immer etwas genieselt. Trotzdem haben wir mit viel Elan und einem Großteil unseres Spiritus versucht ein Feuer zu entfachen… leider vergeblich. Dafür gab es frische Äpfel und tolle Bilder.

Tag 3: Von Platz 2 zu Trekkingplatz 3 „Leinsweiler“

20,5km und fast 1500 Höhenmeter
Der längste und anstrengendste Tag, aber zumindest gab es hier zwischendurch etwas Sonne und wir brauchten die Regenponchos nicht mehr. Es hat die Wanderroute ganz abwechslungsreich gestaltet, dass man zwischendurch immer mal wieder durch ein kleines Dorf oder eine kleines Städtchen gelaufen ist. Ab und zu konnte man dann durchaus auch mal schöne alte Gebäude bewundern. An Tag 3 sind wir zwischendurch ein paar Kilometer an Weinfeldern entlang gelaufen, was wirklich klasse war. Nicht nur dass es ein paar extrem süße Trauben zu naschen gab, man hatte auch einen tollen Blick über die Weinberge. Und auf etwa jedem zweiten saß eine kleine Burg.
An diesem Tag haben wir uns dann tatsächlich auch einmal verlaufen, was etwa einen Umweg von knapp 3km zur Folge hatte. Dafür haben wir es aber abends endlich geschafft Feuer zu machen! Zu essen gab es natürlich trotzdem Fertignudeln.

Tag 4: Von Platz 3 zu Trekkingplatz 4 „Annweiler“

13,4 km und 960 Höhenmeter
Sommer, Sonne, T-Shirts! Felsen und Eidechsen. Burg Trifels, trockene Hosen und Worschtgrummbeeren. Königsthron und Schnitzel mit Pommes. Hübsche Häuschen und Duschen (nach 3 Tagen das erste Mal) im Freibad. Feuer und Stockbrot. In Annweiler kann man außerdem Einkaufen.
Guter Tag.

P.S.
Auch wenn der Platz nicht so schön gewesen ist. Er liegt sehr weit ab von der eigentlichen Route und man könnte sich überlegen, ihn auch ganz zu überspringen.


Tag 5: Von Platz 4 zu Trekkingplatz 5 „Eußertahl“

16,3 km und 1540 Höhenmeter
Wieder ein sehr anstrengender, dafür aber sehr schöner Tag. Mit super Wetter und tollen Aussichten zwischendurch. Dieser Zeltplatz war auch der vielleicht schönste der Tour. Sehr weit oben gelegen, dafür aber licht und sonnig, sodass auch unsere Zelte endlich trocken wurden. Es hatte allerdings auch einen Nachteil, dass der Zeltplatz so weit oben gelegen war: Brad hat beim Rucksack absetzen eine der teuren neuen Wasserflaschen von Möhrchen fallen gelassen, die natürlich spontan einen steilen Abhang herunter- und außer Sicht gerollt ist. Zwar wollte Brad dem verfluchten Gerät noch heldenhaft nachspringen, wurde aber klugerweise davon abgehalten. Der Hang war einfach zu unwegsam.

 

Tag 6: Von Platz 5 zu Trekkingplatz 6 „Modenbacher Hof“

16,7km und 1530 Höhenmeter
Ein weiterer toller Wandertag, mit super Wetter, kurzen Quidditch-Einlagen und einer ausführlichen Ruinenbesichtigung mit einem Haufen Eidechsen! Und wieder sind wir in einer der Gaststätten Essen gegangen. Dieses Mal Riesenfrikadelle!
Der Zeltplatz am Abend war das erste Mal voll belegt, dafür gab es aber einen kleinen Fluss, der zum Waschen und für Trinkwasser herhalten konnte.

Tag 7: Von Platz 6 zu Trekkingplatz 7 „Kalmit“

15,8km und 1460 Höhenmeter
Der letzte Wandertag mit einer grandiosen letzten Anstrengung: Der Besteigung des Kalmits, der höchste Berg des Pfälzerwaldes, auf dessen Kuppe der letzte Trekkingplatz liegt. Dafür wurden wir mit einer grandiosen Feuerstelle belohnt und wir teilten den Platz auch nur mit einer ausgelassenen Horde kleiner Pfadfinder, die aber sehr nett im Umgang waren und uns sogar von ihrem reichhaltigen Essen abgaben: Wurst, Banane, Stockbrot, Marshmallows… kurz alles was man auch nur irgendwie übers Feuer halten kann.

Tag 8: Von Platz 7 zum Bahnhof in Neustadt a.d. Weinstraße

9km und 800 Höhenmeter
Der letzte Tag, ein einziger Abstieg, dafür mit Eis am Ende.

Zusammenfassung

Ein sehr gelungener Wanderurlaub, völlig anders als Schweden, aber durch die Abwechslung bleibt er interessant. Unser Wandergepäck war dieses Mal sehr viel besser bemessen und hat uns keine großen Probleme mehr bereitet. Dafür haben wir gemerkt, dass wir es nicht gewohnt sind Berge zu besteigen. Hier haben wir oft unsere Grenzen gespürt.
Wir werden jedoch auch weiterhin versuchen unser Gepäck zu reduzieren. Allein unser Zelt wiegt mit Heringen und Unterlegplane glatte 5kg! Hier besteht dringender Änderungsbedarf. Insgesamt sind wir in diesem Urlaub etwa 115 km gelaufen und haben dabei fast 10.000 Höhenmeter (hoch und runter zusammengenommen) bewältigt.

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3 Responses

  1. Musterkatze sagt:

    Neid, ich will auch! Wandern ist schon was Feines 🙂

    Die Bildunterschriften gefallen mir natürlich am Besten, schöne Einfälle (und einige schöne Fotos) 😉
    Die Ponchos sind wirklich sehr sehr gruselig, den Buckeligen hätte ich nicht im Wald begegnen wollen 😀

    Was ich vermisse: Wo sind die Fotos zu den angekündigten Fröschen und oft erwähnten Eidechsen?!

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