Schweden 2012

Mitte August 2012 sind Möhrchen und Brad das erste Mal zu einer Wandertour nach Schweden aufgebrochen. Schweden galt uns als Ziel, das vielleicht immer noch eine Spur wilder und einsamer ist als Deutschland und hat auf uns immer eine besondere Anziehungskraft gehabt. Das schöne Land fern im Norden, wo es noch Elche gibt… das klingt natürlich etwas pathetisch, aber genau diese Vorstellung hat man (oder zumindest Brad) wenn es um Skandinavien geht. Da wir aber was Wandern und Trekking anging, immer noch Anfänger waren, wollten wir zunächst eine Strecke machen, die zwar schon etwas mehr von uns abverlangt als ein Spaziergang mit anschließendem Zeltplatz und Sanitäreinrichtung in Deutschland, uns aber auch nicht gleich direkt in Grizzly-Gebiete tausend Kilometer entfernt von jeder Hütte verschlägt. Außerdem wollen wir so nach und nach immer mehr von Europa erkunden, bevor wir dann mal irgendwann in ferner Zukunft nach Sibirien, Alaska oder die Antarktis gehen 🙂

Vorbereitung

Möhrchen hatte sich vorher ausgiebig informiert und hat auch eigentlich die gesamte Reise inklusive Ausrüstung geplant. Sodass unser Ziel schließlich feststand: Der südliche Kungsleden, der sich viele Kilometer durch das schwedische Jämtland schlängelt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kungsleden

Der Kungsleden gilt als Anfängerwanderweg und schien uns auch deswegen gut geeignet für unsere erste längere Tour.

Beginnen wollten wir in Storlien und dann zwei Wochen so weit laufen, wie wir Lust und Energie hätten. Dieser erste Abschnitt würde größtenteils auf dem schwedischen Hochland („Fjäll“ genannt) etwa in Höhe des 63. nördlichen Breitengrades verlaufen. Das ist zwar noch nicht ganz Polarkreis (etwa 66°), aber immerhin schon auf der Höhe von Island. Das Fjäll ist eine Art Bergtundra über der Baumgrenze mit nur karger Vegetation (Moose, Gräser, Heide), teilweise stark von Mooren durchzogen, aber sehr angenehm zu laufen, weil es nicht wie im Gebirge ständig nur hoch und runter geht.
Der Kungsleden ist nun ein Weg, der zwar mit Wegweisern gekennzeichnet ist, und der auch insofern befestigt ist, als dass Brücken über Flüsse führen und in moorigen Gegenden Holzbalken als Weg dienen, der aber ansonsten recht einsam ist und nicht durch Dörfer oder Städte führt. Etwa in Tagesabständen (ca. 15km) befinden sich bewirtschaftete Hütten, wo man, wenn Bedarf besteht, Essen kaufen, duschen, saunieren und auch übernachten kann. Jedoch ist man nicht gezwungen dieses Angebot auch anzunehmen. Denn in Schweden gilt (wie auch in Norwegen und Schottland) immer noch das Jedermannsrecht! http://de.wikipedia.org/wiki/Jedermannsrecht

Man darf quasi überall wo man möchte sein Zelt aufstellen, wenn man sich der Natur gegenüber fair verhält. Aber der Gedanke der Natur und Nachhaltigkeit ist es ja erst, der die meisten Menschen dorthin verschlägt und so haben wir auch nirgends Müll herumliegen gesehen oder Vandalismus (grober Holzeinschlag beispielsweise) bemerkt. Für Anfänger gilt hier: Vorher informieren! Was darf ich in einem Land? Wie verhalte ich mich beim Wandern. Denn dazu gehört beispielsweise auch: Keine Bäume fällen oder lebende Äste abbrechen um Feuer zu machen (außer in Notsituationen). Meist reicht es auf dem Boden liegendes Totholz zu verwenden. Natürlich lässt man keinen Müll herumliegen, aber man sollte auch nicht seinen Namen in jeden Baum ritzen, den Boden umgraben für Feuerstelle oder Zelt, Taschentücher und Toilettenpapier in die Landschaft werfen (vermodert ja…) Ja, tut es. Aber nicht in den nächsten drei Tagen und der nächste Besucher wird sich freuen. Und es geht weiter mit ökologisch abbaubarem Shampoo und Zahnpasta, und und und…

Anreise

Fähre von Puttgarden nach Rødby

Fähre von Puttgarden nach Rødby

Nachdem wir uns dementsprechend informiert hatten (die meisten Lorbeeren trägt auch hier Möhrchen!) ging es an die Anreise. Wie kommt man nach Schweden? Auto? Bus? Flugzeug? Bahn? Hier sollte für uns auch der ökologische Aspekt des Urlaubs mit hineinfließen. Mit dem Flugzeug ist man in zwei Stunden vor Ort, das benötigt aber sehr viel Energie. Im Auto ist man lange unterwegs und hat den sicherlich höchsten Stressfaktor, im Bus kann man schlecht schlafen. Da blieb für uns nur die Bahn. Um 6:30 Uhr ging es in Berlin los über Hamburg, Rødby, Kopenhagen, Malmö, bis wir abends in Stockholm angekommen sind. Nach 3h Aufenthalt ging es dort um 23:30 Uhr weiter mit dem deutlich weniger vollen Nachtzug in den Norden. Bis wir um 8:30 Uhr in Storlien ankamen. Brote und Kreuzworträtsel haben uns die lange Fahrt etwas erleichtert, insgesamt war die Fahrt aber recht angenehm, auch wenn die schwedischen Züge nicht ganz so gut sind wie die deutschen ICEs.

Wir sind im Nachhinein sehr froh die Bahn gewählt zu haben, denn so beginnen der Urlaub und das Abenteuer gleich mit der Hinreise. Früh aufstehen, späte Partygäste in der Berliner U-Bahn, ein leerer ICE, das jederzeit hektische pulsierende Hamburg und kleine Abenteuer mit Verspätungen und Ersatzzügen in Kopenhagen, die schließlich von leeren schwedischen Zügen abgelöst werden machen auch die Anfahrt zu einem kleinen Erlebnis.

Erster Schlafplatz im Nachtzug

Erster Schlafplatz im Nachtzug

Außerdem bekommt man so bereits ein ganz anderes Gefühl für die Entfernung, die man eigentlich gerade zurückgelegt hat und kann beobachten wie sich Menschen und Landschaft um einen herum verändern. Und besonders die letzten drei Stunden im Nachtzug von morgens um 5:00 bis um 8:00 wenn die Sonne langsam aufgeht und es draußen immer schöner wird, steigern die Vorfreude sehr. Die Rückfahrt hatten wir bewusst nicht gebucht, da wir zeitlich nicht gebunden sein wollten und auch nicht wussten, wie viel Strecke wir wirklich schaffen.

Kosten

* Etwa 100 Euro pro Person für die Hinfahrt von Berlin bis Storlien.
* Etwa 150 Euro pro Person für die nicht gebuchte Rückfahrt.
* Essen (vernachlässigbar, da größtenteils Nudeln, Fertigsoßen, Müsli und Milchpulver)
* Ausrüstung…

Eigentlich ein kostengünstiger Urlaub. In Schweden selbst wurden keine Zeltplätze bezahlt, keine Kurtaxe oder sonstiges, da wir auch nicht in den Hütten geschlafen haben. Das was teuer ist sind Hin- und Rückfahrt. Wobei hier natürlich gilt: Je länger man fährt, desto billiger werden die Fahrtkosten 😉
Teuer wird es dann bei der Ausrüstung. Die wächst aber von Jahr und Jahr, dazu werden wir nochmal einen gesonderten Beitrag schreiben.
Kurz zusammenfassend können wir für diesen Urlaub sagen, haben wir unser Gepäck völlig überschätzt. Wir hatten einfach viel zu viel mit. Brad trug bei 1,83m Körpergröße und beinah 100kg Eigen(Über-)gewicht einen 27kg Rucksack, Möhrchen bei 1,66m Körpergröße und 56kg Eigengewicht einen 17kg Rucksack. Gerade der Rucksack von Brad war der Grund warum nur wenig Strecke geschafft wurde und Brad mit starken Knieschmerzen zu kämpfen hatte.
Wichtig ist außerdem dass das Fjäll über der Baumgrenze liegt, hier gibt es also kein Holz zum Feuermachen, wichtiges Utensil war hier für uns ein Gaskocher, der uns Tee und warmes Essen beschert hat.
Aber mehr dazu im Ausrüstung-Beitrag.

Tag 1

15km vom Bahnhof Storlien bis kurz vor die Fjällstation (bewirtschaftete Hütte) Blåhammaren.

Startpunkt des südlichen Kungsleden

Startpunkt des südlichen Kungsleden

Wir laufen zunächst etwa vier Kilometer durch ein paar vereinzelt stehende Häuser, eine Straße entlang bis nach Storvallen. Hier beginnt schließlich ganz offiziell der südliche Kungsleden. Gefühlt stehen wir am Rande eines Gartengrundstücks eines größeren Gebäudes und blicken auf ein mooriges Feld über das ein paar Holzplanken führen

Es ist früh am Morgen und das Wetter diesig, grau und kühl. Trotz dass mit uns im Zug eine Handvoll weiterer Leute ausgestiegen ist, sind wir bereits jetzt völlig alleine unterwegs. Einzig auf der Straße lief die erste Stunde ein einsamer Backpacker etwa einen halben Kilometer vor uns, aber auch der ist jetzt verschwunden. Es sind bereits jetzt eine Menge Mücken unterwegs, sodass wir unsere Moskitonetze tragen um unser Gesicht zu schützen. Die erste Strecke führt durch Wald und Gebüsch, über Moor und Heide.

Zuerst gings übers Moor

Zuerst gings übers Moor

Es bleibt kühl, aber die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch, sodass wir bald durchgeschwitzt sind und Pause machen. Ein hier aufgehängtes Thermometer verrät die Lufttemperatur: 12°C. Wir merken, dass wir nur noch wenig Wasser nach der Zugfahrt übrig haben und suchen nach einem Gewässer, wo wir unsere Flaschen auffüllen können. Wir wissen, dass es im Fjäll problemlos möglich sein soll Wasser direkt aus Flüssen zu trinken, selbst ohne besondere Wasserfilter. Doch noch sind wir nicht auf dem Fjäll und die Gegend ist moorig. Notgedrungen trinken wir etwas merkwürdig riechendes, leicht gelbliches Wasser aus einem winzigen Bächlein. Es schmeckt nach Sumpf und toten Füßen.

Gute Laune trotz Mücken

Gute Laune trotz Mücken

Nach der Pause geht der Weg mit leichter Steigung weiter. Es geht bergauf zum Fjäll hinauf. Brad merkt bereits jetzt das volle Gewicht seines Rucksacks und bald wird eine längere Pause nötig. Wilde Blaubeeren werden gepflückt und gegessen, dazu Studentenfutter. Später verlassen wir den Wald und kommen auf freiere Flächen. Weiße Flecken in der Ferne entpuppen sich beim näher kommen als verharschte Schneefelder (mitten im August.).

Es geht weiter bergauf, die Mücken quälen uns und das Wetter ist weiterhin unangenehm. Bisher ist es kein schönes Wandern und wir hoffen, dass es nicht so bleibt. Endlich erreichen wir die erste große Markierung, die uns mit Sicherheit erkennen lässt wo auf der Karte wir uns jetzt befinden. Es gibt keine Häuser oder andere Merkmale mehr, an denen man sich orientieren könnte. Wir haben nur die Zeit, die wir laufen und unsere geschätzte Geschwindigkeit. Aber jetzt sehen wir nicht allzu weit entfernt, den großen Rentierzaun. Ein von Horizont zu Horizont reichendes übermannshohes Gehege, das ein Areal von vielen Quadratkilometern umgibt. Nur leider dachten wir, dass wir schon viel weiter wären. Wir sind ein wenig entmutigt, doch dafür geht es jetzt zumindest eine Weile bergab. Das ist zwar ähnlich anstrengend, geht aber zumindest schneller voran.

Dickes Schneefeld, dicker Brad

Dickes Schneefeld, dicker Brad

Gegen Mittag erreichen wir einen größeren Fluss, der von einer hölzernen Brücke überspannt wird. Uns schmerzen die Beine, und besonders Brad kann nicht mehr weiter. Wir beschließen eine etwas größere Mittagspause zu machen. Eigentlich ein sehr schöner Platz für eine Pause: Es ist mittlerweile schön warm und sonnig, im Fluss springt ab und zu ein Fisch, es gibt sogar ein kleines Toilettenhäuschen. Einzig die Mücken stören. Der schönste Platz am Ufer ist schon von einem anderen jungen Mann besetzt. Wir gehen dennoch herüber und unterhalten uns ein wenig mit ihm. Er kommt aus Köln und will etwa denselben Weg laufen wie wir. Er beklagt sich, dass sein Rucksack ihm mit 17kg viel zu schwer vorkommt. Und wir denken daran, dass das etwa dasselbe Gewicht ist, was Möhrchen auf dem Rücken hat. Zum Mittagessen gibt es Nudelsuppe. Das Wasser des Flusses ist sehr klar und schmeckt überhaupt nicht mehr moorig. Die Nudelsuppe schmeckt uns richtig gut und wir halten unsere Füße in das kalte Wasser. Nach 24h putzen wir hier auch das erste Mal wieder unsere Zähne, befinden das Plumsklo in der Hütte auch als recht komfortabel und fühlen uns nach der Pause sehr erfrischt. Brad schafft es allerdings nur mit Mühe sich noch einmal aufzuraffen, seine Füße schmerzen sehr stark, wenn er auch noch keine Blase hat. Sein Rucksack ist für einen untrainierten Wanderer einfach zu schwer. Wir stellen fest, dass wir unser heutiges Tagesziel wahrscheinlich nicht mehr erreichen und dass wir uns für die gesamte Reise wohl auch zu viel vorgenommen haben. Eigentlich wollen wir bis nach Grövelsjön, aber unsere Rucksäcke sind zu schwer und wir vertreiben uns die Zeit damit zu überlegen, was man alles sparen könnte. Wir laufen noch einmal etwa 3km bergan, während der Wald immer weniger wird. Am späten Nachmittag schließlich überqueren die Baumgrenze und haben nur noch karge Fjälllandschaft vor uns. Wir machen nicht weit nach der Baumgrenze an einer unbewirtschafteten Hütte halt und beschließen, auch dort zu bleiben und nicht mehr weiter zu wandern. Wir können von hier aus die bewirtschaftete Hütte Blåhammaren schon sehen, und beschließen dass es für den ersten Tag ausreicht.

1. Zeltplatz kurz vor Blåhammaren

1. Zeltplatz kurz vor Blåhammaren

Es ist noch ein andere junges Pärchen bei der Hütte, die etwa einen halben Kilometer entfernt ihr Zelt aufbauen, aber das stört uns nicht. Es ist etwa 18:30 als wir nicht weit von der Rasthütte am Gräshidflället entfernt unser Zelt aufbauen. Einen geeigneten Zeltplatz zu finden, war nicht ganz einfach, da der Untergrund sehr felsig ist, aber schließlich steht es und wir werden die Nacht sehr weich auf einer dicken Schicht Hemikryptophyten (Blaubeere etc.) schlafen. Wir kochen noch schnell die zweiten 250g Nudeln mit unserem letzten Wasser und noch im hellen vor um acht ins Zelt. Wir pflegen unsere Wunden, Mückenstiche und gepeinigten Füße, hören noch ein Rentier an unserem Zelt vorbeitraben und schlafen schließlich übern Tagebuch schreiben ein.

Tag 2

Etwa 15km von Blåhammaren bis kurz vor die Fjällstation Sylarna.

Am nächsten Morgen merken wir, dass wir am Abend vorher unser letztes Wasser aufgebraucht haben, sodass das Frühstück trocken ausfällt. Aber bereits zu dem Weg zur Hütte Blåhammaren (etwa 3km) kreuzen wir zahlreiche kleinere Bäche, die frisches und sehr sauberes Wasser führen. An der Station selbst begegnet man schließlich auch Menschen, viele Familien und junge Wanderer, die gerade beim Aufbruch sind. Nicht alle haben in der Station übernachtet, viele haben sich auch wie wir in der Umgebung einen eigenen Zeltplatz gesucht. Ab jetzt wird auch das Wetter gut und wir begegnen beim Wandern vereinzelt anderen Menschen, wenn auch immer nur vereinzelt. Wir sehen oft Rentierspuren und tote Lemminge. Die Landschaft ist karg, einsam und sehr schön. Mit Wasser haben wir keine Probleme mehr, die Flüsse führen Gletscherwasser: sehr kalt, aber es schmeckt gut. Nur die Mücken bleiben eine echte Plage und wir freuen uns über jedes bisschen Wind, dass uns die Biester vom Leib hält. Abends bauen wir unser Zelt kurz hinter einem Fluss auf, wieder in Sichtweite der nächsten Fjällstation aber immer noch ein paar km davon entfernt. Die Mücken belästigen uns so stark, dass wir bald ins Zelt gehen. Wir haben bereits jetzt unzählige Stiche und sind dankbar für unsere Moskitonetze, die zumindest unser Gesicht schützen.

Tag 3

Etwa 13km von Sylarna bis ins Nirgendwo.

Als wir aufwachen ist das Wetter sehr düster und dicke Wolken hängen am Horizont. Wir gehen auf Sylarna zu, das geschützt zwischen mehreren Berggipfeln liegt und nutzen dort die Gelegenheit um einmal ausgiebig heiß zu duschen. Wir waschen auch ein paar T-Shirts, denn gerade die von Brad, die noch nicht aus Merinowolle bestehen, riechen sehr stark. Das Wetter bleibt kalt, doch regnen tut es nicht und als wir weitergehen kreuzen wir zahlreiche große Schneefelder. Auf den Gletschern an den Berggipfeln sind gerade noch mit bloßem Auge erkennbar große Rentierherden auszumachen.
Als wir uns bei einer Pause sehr ruhig verhalten kommen zwei Rentier durch Zufall auf uns zu und laufen keine zehn Meter an uns vorbei. Möhrchen hat versucht die beiden zu fotografieren, leider ist unsere Kamera keine besonders gute. Bei einer unbewirtschafteten Hütte machen wir Mittagspause und essen wieder Nudeln mit Fertigsoße. In der Hütte, die nur als Notunterkunft dient und nicht mehr als ein kleiner Holzverschlag ist, tragen wir uns nur schnell in die Gästeliste ein, sehen sogar einen bekannten Namen und bauen schließlich unser Zelt nicht weit entfernt auf.

Tag 4

16km vorbei an der Fjällstatin Helags.

Nach dem gestrigen Tag, der mit 13km recht kurz ist wollen wir heute wieder etwas weiter laufen, sind jedoch stark unmotiviert da wir sehr unsere Beine spüren, Brad trägt bereits eine Kniebandage und spürt seinen Rucksack dennoch sehr deutlich. Auf der sehr schönen Fjällstation Helags bekommen wir den Wetterbericht mit, der für die nächsten Tage schlechtes Wetter ankündigt. Wir entscheiden uns schweren Herzens dazu unsere geplante Zwei-Wochen-Reise auf eine Woche zu reduzieren und setzen uns die nächstgelegene Stadt Ljungdalen als Ziel.
Wir merken wie uns die Entscheidung und das bisher noch sehr gute Wetter etwas beflügeln und wir wandern immerhin 16km bis wir irgendwo am Weg unser Zelt aufschlagen. Auch wenn an der Fjällstation Helags viel los war, scheinen wir jetzt auf einsameren Wanderwegen zu sein und uns begegnet keine Menschenseele mehr.

Tag 5

2km bis zum See Krustjärnen.

Wir beschließen den heutigen Tag zu einem Ruhetag zu machen und wollen nur wenig laufen um uns auszuruhen und vielleicht lieber einen schönen Zeltplatz genießen. Heute begegnen wir nur sehr früh zwei älteren Frauen, den Rest des Tages sind wir alleine.
Der heutige Tag wird zum besten Tag des ganzen Urlaubs und blieb auch am stärksten in der Erinnerung haften. Wir sind nicht weit gelaufen da erstrecken sich vor uns mehrere Seen und wir sehen nicht weit entfernt einen Elch über den Fjäll laufen. Wir sind so begeistert, dass wir uns hier nur noch einen Zeltplatz suchen wollen um hier den Rest des Tages zu verbringen. Wir finden einen tollen, sehr einsam gelegenen Platz der an drei Seiten von einem See umgeben ist und stellen hier unser Zelt auf. Die vielen Mücken, die uns den gesamten Urlaub begleitet haben merken wir schon kaum noch. Wir finden sogar noch ein altes paar Rentiergeweihe, das wir als Erinnerung mit nach Hause nehmen. Wir schwimmen (sehr kurz!) im kalten Gletschersee und Brad versucht noch in einem der Seen zu fischen, doch auch wenn ihm das nicht gelingt, ist der Tag einer der schönsten.

Tag 6

23km bis zur Pension Helags in Ljungdalen

Wir planen, dass wir bis nach Ljungdalen noch einmal unser Zelt aufbauen müssen und stiefeln los. Wir kommen relativ gut voran und beschließen schließlich bis Ljungdalen durch zu laufen. Zwischendurch wird der Weg von einem etwa 10m breiten Fluss durchbrochen, der nicht von einer Brücke überspannt wird. Wir laufen kurz den Fluss auf und ab und merken dass wir da wohl nicht mit trockenen Füßen rüberkommen werden. Der Fluss selbst ist zwar höchstens 30 bis 40cm tief, aber der Untergrund besteht ausschließlich aus Steinen, das Wasser fließt schnell und der doch etwas furchterregende Wasserfall etwa 200m Flussabwärts gepaart mit düsterem Wetter drücken auf unsere Stimmung. Wir überlegen wie es am schlauesten ist den Fluss zu überqueren, die Wanderschuhe dürfen nicht nass werden, denn in nassen Schuhen wandern ist die beste Möglichkeit sich Blasen zu laufen. Wir entscheiden die Schuhe auszuziehen, aber die Socken anzubehalten. Als Schutz für unsere Füße und um etwas mehr Reibung zu haben um nicht auszurutschen. Die Flussüberquerung gelingt unfallfrei, wir wechseln die Socken und laufen weiter. Heute wird der mit Abstand härteste Tag. Wir laufen bis 20:00 Uhr abends, und machen in den letzten Stunden immer häufiger Pause. Wir haben den Fjäll bereits verlassen und die letzten Kilometer führen bereits auf einer Straße entlang, doch es scheint kein Ende zu nehmen. Wir gehen gefühlt bis fast an unsere Grenze und besonders Brad hat mit starken Beinschmerzen zu kämpfen, da sein Rucksack kaum leichter geworden ist. Schließlich erreichen wir Ljungdalen. Kaum mehr als eine sehr hübsche Ansammlung mehrerer kleiner roter Hütten, ist es eher ein Dorf denn eine Stadt, doch wir sind froh hier zu sein. Mit Mühe finden wir noch eine Pension, die uns für ein paar Nächte aufnimmt. Hier verbringen wir das letzte Wochenende auf unserer Reise.

Zur Pension Helags

Eine kleine aber sehr gemütliche und Pension, die nur zu empfehlen ist! Hier findet man sicherlich keinen Luxus, aber dafür umso freundlichere Inhaber. Im Sommer kann man gut zum Wandern hinfahren, im Winter werden auch Schlittenhundkurse angeboten. Pension auf Facebook

Zusammenfassung

Allgemeines Fazit: Trotz Mücken und Beinprobleme ein gelungener Urlaub. Schweden lohnt sich!

Rückblickend hatten wir wohl sehr viel Glück mit dem Wetter. Es hat kein einziges mal geregnet und wir hatten viel Sonne. Es war zwar mal Wolkig aber nass wurden wir nie und gefroren haben wir auch nicht. Wir haben aber diverse Anfängerfehler gemacht:
– zuviel Gepäck. 27kg sind einfach zuviel, vor allem wenn man kein geübter Wanderer ist.
– bessere Ausrüstung. Zwar haben wir gute Schuhe, Rucksäcke, Isomatten und Schlafsäcke, aber es fehlt noch stark an Merinokleidung und leichterem Gepäck.
– Beschäftigung für lange Zugfahrten mitnehmen
– Sandalen/feste Badelatschen für Flussüberquerungen mitnehmen
+ gut waren die Moskitonetze
+ Schokoladenmüsli ist eine nette Abwechslung, wenn man sonst nur Fertignudeln, Müsli und Nüsse isst

Ich habe im Nachhinein unseren Wanderweg grob in GoogleEarth eingetragen, auch wenn der Weg teilweise nur sehr ungenau ist, stimmen zumindest die Fjällstationen, denn die sind auf dem Satellitenbildern sogar zu erkennen.

Schweden 2012.kmz

Insgesamt sind wir in dem Urlaub ca. 85km gewandert. Das ist nicht besonders viel für eine Strecke, aber wir wurden stark durch die zu schweren Rucksäcke gebremst. Wir haben das bereits in späteren Urlauben mit leichteren Rucksäcken gemerkt. Wir rechnen mittlerweile etwa 15km/Tag. Auch das ist keine überragende Leistung, doch steht bei uns der Spaß im Vordergrund und nicht möglichst viel Strecke zu laufen.

You may also like...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.