Vegane Ernährung: Erste Erkenntnisse

Unser kleiner Selbstversuch auf nahezu alles tierische in unserer Ernährung zu verzichten läuft jetzt seit knapp einem Monat. Und wir sind bereits um ein paar Erkenntnisse reicher.

Wir haben unsere ersten Eindrücke einmal zusammengefasst:

  • Vegane Nahrung besteht nicht nur aus Grünzeug
  • Vegan essen, heißt nicht gesund essen (Pommes mit KetchUp, Toast mit Marmelade)
  • Vegan kann durchaus auch satt machen (Vollkornbrot, Haferflocken, Kartoffeln, Bohnen, Mais, …)
  • Nicht alles was lecker ist, ist auch verboten
  • Zu Hause ist es einfach, auswärts wird es schwieriger
  • Beim Griechen essen gehen macht keinen Spaß mehr
  • Alte Rezepte anpassen ist manchmal einfacher als man denkt
  • Sojamilch bleibt widerlich und Tofu langweilig
  • Fleisch ist nicht vegan, wenn das Tier vegan gelebt hat 🙁
  • Werbebilder von Schnitzeln erreichen Pin-up Qualität

Auch wenn wir beide auch vorher schon vereinzelt mit veganen Produkten experimentiert haben (z.B. mit veganen Brotaufstrichen oder Shakes mit Sojamilch) ist es doch ein Unterschied, nun wirklich vollständig auf vegan umzusteigen. Tatsächlich ist es das geringste Problem, auf Fleisch und Fisch zu verzichten. Viele Rezepte, die man mittags ist, sind ohnehin schon vegetarisch, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Kartoffelpuffer, Milchreis, Pfannkuchen (Eierkuchen für die Ossis^^), Bratkartoffeln. Der Schritt nun auch noch alle übrigen tierischen Produkte, wie Eier, Milch, Gelatine, etc. zu entfernen, fällt gerade bei der nordeuropäischen Küche deutlich schwerer aus. Im asiatischen Raum fällt es deutlich leichter. Mit Milchprodukten wird dort ohnehin so gut wie gar nicht gekocht, und Soja und Tofu sind dort schon viel länger in Gebrauch. So fällt es auch nicht schwer im asiatischen Restaurant gleich mehrere gut schmeckende vegane Gerichte zu finden. Dort ist es auch immer einfach möglich, Fleisch einfach weg zu lassen oder durch gut gemachten Tofu zu ersetzen. Möhrchen hat die leidvolle Erfahrung gemacht, dass das beim Griechen nicht der Fall ist 😀
Zu Hause haben wir vieles ausprobiert, manches davon ist schief gegangen: Haferflocken mit Sojamilch schmecken beispielsweise in etwa so, wie man sich pürierte Qualle mit gedünsteten Socken vorstellen würde. Tofu ist zumindest neutral und kann, wenn eingelegt oder gut gewürzt zumindest schmecken.. Positive Überraschungen gab es aber auch. So schmeckt ein mit Kokosmilch gekochter Milchreis überraschend gut!
Abgesehen vom Geschmack steht natürlich immer auch die Frage der Gesundheit im Raum. Ist vegane Ernährung gesünder oder vielleicht gar gesundheitsschädlich, weil man auf lange Sicht mit Mangelerscheinungen zu kämpfen hat? Dazu werden wir hoffentlich irgendwann noch einmal einen ausführlicheren Artikel schreiben, aber aktuell würden wir beides nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Vegan heißt nicht unbedingt gesund, und ob ich die verschiedenen Getreidekleberersatzprodukte und mit E-Nummern vollgestopfte Sojaprodukte auf Dauer essen möchte, weiß ich auch nicht. (Natürlich gibt es auch gute Sojaprodukte, z.B. im Bioladen. Da ist dann wirklich nur Soja und Wasser drin). Mit Mangelerscheinungen durch Unterversorgung mit Eisen, Eiweiß oder Vitamin B12 wird man auch nicht zu kämpfen haben, wenn man sich vielfältig ernährt. Allein Das B12 wird kniffliger sein, da es ein rein tierisches Produkt ist. Inwiefern hier Bakterien Abhilfe schaffen können, z.B. in Hefe, Sauerkraut oder Algen werden wir noch recherchieren.

Aktuell macht uns unser Versuch aber noch Spaß, auch wenn ich mich kürzlich dabei erwischt habe, wie ich stumpfsinnig bestimmt 5 Minuten lang ein Bild von einem Fischfilet angestarrt habe… ^^
Glück haben wir, dass uns Verwandte und Freunde unterstützen. Einige haben selbst schon Versuche in der Art unternommen, und konnten interessante Tipps liefern. So hat meine Mama einen hervorragenden veganen russischen Zupfkuchen gezaubert. Und ich bin (wenn ich das so sagen darf) sehr kritisch was guten russichen Zupfkuchen angeht. Der ist nämlich gar nicht so einfach. Umso erstaunlicher, dass der tatsächlich vegan umzusetzen war.
Möhrchen war sehr begeistert, dass sie es geschafft hat eine ihrer Lieblingsspeisen (Kartoffeln mit Quark) vegan umzusetzen. Und zwar mit dem Sojajoghurt von Sojade.

Mal schauen wie die nächsten zwei Monate laufen. Noch leben wir, sind nicht krank, abgemagert oder kurz vorm Tode.

Vegane lohnenswerte Rezepte

Chili mit Süßkartoffeln und Soja-Gehacktem
Dem Rezept haben wir noch weiße Bohnen, Mais und das “Bio Tofu Gehackte” von “Berief Soja Fit” bei Kaisers hinzugefügt. Ein veganer Hackfleischersatz, der eingeschweißt recht widerlich aussieht, aber angebraten und gut mit Salz und Pfeffer gewürzt, einen erstaunlich guten Ersatz abgibt. Das Ergebnis war ein super leckerer Chili-Eintopf!

Grünkohl mit Pinkel

Russischer Zupfkuchen

You may also like...

5 Responses

  1. Das ist sehr spannend zu verfolgen! Ich gebe zu, ich verzichte ungern auf ein gutes Stück Fleisch. Aber ich finde es viel schwerer, auf die gängigen MIlchprodukte zu verzichten, und wirklich ersetzen kann man die auch nicht. Wer den Geschmack und die Konsistenz von Topfen (ich kann einfach nicht Quark schreiben 😀 ), Kuhmilchjoghurt (Schafjoghurt geht, Ziegenjoghurt geht leider gar nicht, mit Honig und Walnüssen uärghs), echtem Schlagobers (auch hier ist Sahne das falsche Wort), Ricotta, Mascarpone etc etc kennt und liebt, der wid mit Sojaprodukten nicht wirklich glücklich. Sojamilch bzw Drink ist wirklich nicht das gelbe vom Ei, aber ich war letztens überaschgt von der leckeren Auswahl der Reis-Haselnuss-Milch, Reis-Mandel-Drink oder Reis-Kokos Drink, das sind echt leckere Alternativen. Als bekennender Käseliebhaber kann ich auch auf meine Käsespezialitäten, die wir in ausgesuchten kleinen Läden kaufen, echt nicht verzichten. Aber schön, dass ihr mal Feedback gegeben habt. Ich freu mich schon auf den nächsten Zwischenstand! 🙂 Übrigens, ich habe letztens eine schöne Anleitung gefunden, wie man sich Kokos-Joghurt selbstmacht, wenn man Sojaghurt nicht mag. Man braucht nur 2 EL Sojaghurt als Starter, der Rest geht mit Kokosmilch. Ich habe die Methode ohne Jogjurtbereiter ausprobiert und es war echt gut! Ein wenig flüssig wurds, aber nach paar Tagen im Kühlschrank hat es sich dann doch gesetzt. Scheinbar muss die Kokosmilchbasis etwas cremiger sein, Ich habe das dann als Basis für leckeres Mango-Lassi genommen. Den Joghurt selbst hab ich mit Küchenthermometer gemessen und dann die Gläser im Backofen gelassen. Temperatur ist alles, die soll bei ca 42-45 Grad sein und keinesfalls höher sein. Wenns euch interessiert: http://www.veganpowercooking.at/grundrezepte-6/veganer-kokosjoghurt/ und dann ist hier noch die “ohne Joghurtbereiter-Methode”: http://www.chefkoch.de/rezepte/744911177071735/Joghurt-selbst-gemacht.html (Die Userkommentare halten auch einige wertvolle Tipps parat) Alles Gute weiterhin, ihr Helden! 🙂

  2. Ah was ich vergessen habe zu fragen: Merkt ihr, dass es kostengüstiger ist, oder gleicht sich das letztendlich wieder aus?

    • Möhrchen sagt:

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar, ich freu mich immer sehr drüber 🙂 Dem Grundgeschmack von Soja kann ich auch nach langem Probieren immer noch nichts abgewinnen (bis auf diesen einen Sojajoghurt, der aus einem mir unbekannten Grund nicht so sehr nach Soja schmeckt). Aber du hast recht, zum Glück gibt es dazu ja genug leckere Alternativen. Wenn man mal Milch braucht (und das ist bei uns erstaunlich selten, habe ich festgestellt), dann finde ich für süße Gerichte Reis-Kokos-Milch sehr lecker (extrem süß, obwohl kein Zucker zugesetzt ist), für anderes (Milch im Tee z.B.) werde ich noch mal Mandelmilch ausprobieren.

      Ich hatte schon mal versucht, ganz normalen Joghurt selbst zu machen, und fand das, im Hinblick auf das eher mäßige Ergebnis, doch ein bisschen zu aufwändig – besonders, weil wir beide momentan nicht wirklich regelmäßig Joghurt essen. Aber vielleicht überzeugt der Geschmack ja in der veganen Variante, Kokos-Joghurt klingt schon sehr interessant 🙂 Danke für den Tipp, ich schau mal ob ich irgendwann die Zeit und Muße finde, das zu probieren!

      Die Frage nach den Kosten ist eine sehr interessante, die uns auch schon mehrmals gestellt wurde. Ich werde in den nächsten Wochen mal versuchen, da ein Auge drauf zu haben und mir ein paar Preise aufschreiben, um vergleichen zu können.
      Jedenfalls, erstmal so pi mal Daumen: Ich habe im Moment das Gefühl, dass in unserem Fall vegan einfach ungefähr genauso teuer ist.
      * Fleisch und Wurst gab es auch vorher nur sehr selten, die kann ich aus der Schätzung eigentlich weg lassen.
      * Käse aus dem Bioladen fällt jetzt weg, dafür kommen ein paar Brotaufstriche hinzu. Beides teuer.
      * Ob nun Biomilch oder Reisdrink/Kokosmilch dürfte sich preislich nichts nehmen, wird bei uns aber alles in geringen Mengen verbraucht.
      * Unsere Butter war früher etwas teurer als die Margarine.

      Insgesamt habe ich das Gefühl, dass wir nur wenige Dinge komplett ersetzen, aber dafür viele Kleinigkeiten weglassen, die teilweise nicht gerade günstig waren: Schokoaufstrich und Schokolade, auswärts Essen gehen, der fast obligatorische Stich Butter oder Schwapp Sahne beim Kochen. Das alles hat sich vorher geläppert und fällt jetzt weg, was dafür spricht, dass in unserem Fall vegane Ernährung etwas günstiger sein könnte.
      Insgesamt sind es bei mir übrigens viel mehr die Kleinigkeiten (immer auf der Verpackung nachlesen und dann doch wieder Ei, Butter oder Käse in Produkten entdecken, in denen man das nicht vermuten würde) und das strenge „nicht dürfen“, das stört, nicht der Verzicht auf Butter oder Überbackenes, den ich vor Beginn des Experiments als am schwersten eingeschätzt habe.

      • Im letzten Punkt kann ich dir voll beipflichten. Die versteckten Zusätze sind beinahe überall drin, besonders wie die versteckten Zucker- und Fettquellen, ich frage mich mittlerweile (ohne es genau zu wissen) wie es eigentlich bei Medikamenten drin sind. Sicherlich sind die meisten Gelatinekaspeln (Nahrungsergänzungen oder diverse Medikamente) pflanzlich, aber fragt man sich das als ganz strenger Veganer auch, was man da zu sich nimmt? 😀

        Was mich betrifft habe ich durch mein rigoroses Milchprodukte-Weglassen auch eine neue Erkenntnis erhalten: Ich habe einen ordentlichen Calcummangel (brüchige Nägel, schlechteres Hautbild, und die unter Calciummangel angeführten psychischen Störungen XD kann ich grad auch nicht von der Hand weisen, aber das kann natürlich auch am Wetter liegen) Fazit: Da hab ich mir jetzt selbst ins Knie geschossen, einfach ein Lebensmittel vom Speiseplan zu streichen, ohne mir über Ersatz Gedanken zu machen ^^ Jetzt nehm ich mal Nahrungsergänzungs-Kapseln (vegan XD) und dann schau ich mal weiter. Einen gut durchdachten Nahrungsplan will ich mir jetzt auch nicht erstellen, eine gesunde Ernährung sollte intuitiv und durch abwechslungsreiche Ernährung von alleine passieren ^^

  3. Musterkatze sagt:

    Mhm.. pürierte Qualle mit gedünsteten Socken.. klingt nach einer leidvollen Erfahrung 😀 Milchreis mit Kokosmilch finde ich allerdings eine super gute Idee. Das werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren.
    Ich bin gespannt, was ihr noch berichten werdet, vor allem, ob es gesundheitliche Auswirkungen (negativ wie positiv) hat. Also bleibt dran! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.